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Der Diaspora-Begriff hat in den letzten zwei Jahrzehnten im Kontext von Forschungen zu Postkolonialismus, Globalgeschichte, Migrationsgeschehen oder gesteigerter Mobilitätserfahrung eine umfassende Erweiterung und positive Neubewertung erfahren. Über das Begriffsfeld ‚Diaspora' oder ‚diasporisch' werden mittlerweile Fragen von Nationalstaatlichkeit und Staatsbürgerschaft beispielsweise im Kontext supranationaler Staaten wie der Europäischen Union angesichts von Migration, Arbeitsmobilität und „long distance nationalism" (Anderson) verhandelt und wissenschaftlich erläutert. Die partikulare jüdische Diaspora-Erfahrung hat somit eine weitreichende Universalisierung erfahren und wurde zum 'Lebensmodell' (Charim/Borea) euromoderner Existenz erklärt. In der Ringvorlesung soll das mittlerweile Diasporisch-Imaginäre als auch ein politisch Imaginäres der zeitgenössischen Transkulturalitätsforschungen befragt werden, indem es mit einem historischen Rückblick kritisch enggeführt wird: Einzelne Vorlesungen geben einen Überblick zu Anfängen des Begriffs in jüdischen Quellen, diskutieren frühe Konzeptualisierungen im jüdischen (z.B. Dubnows Diaspora-Nationalismus) und nicht-jüdischen Kontext, erläutern spezifische diasporische Genres (memorial books) und diskutieren die Anwendung von Diaspora in den Postcolonial Studies und Kulturwissenschaften.