In Vorbereitung des Jubiläumsjahres der Novemberrevolution 1918, die der Weimarer Republik voranging, möchte dieses bildwissenschaftliche Seminar einen prüfenden Blick auf die 1920er Jahre werfen. Die Weimarer Republik ist wechselnd als Krisenzeit der klassischen Moderne beschrieben, als Umbruchzeit charakterisiert und zum Prolog des scheinbar unausweichlichen NS-Staates erklärt worden. Ziel des Seminars ist deswegen eine breitere, quellenbasierte Kontextualisierung dieser Periode, deren nachträgliche Fokussierung auf die sogenannten „Goldenen Jahre“ eine mythische Zeit geschaffen hat. Anhand diverser gesellschaftlicher und künstlerischer Strömungen werden die progressiven Entwicklungen der 1920er Jahre deutlich, aber auch ihre Brüche besser verständlich werden. Das Beispiel der ersten deutschen Republik eröffnet dem Seminar einen Zugang zu ausgewählten intellektuellen, literarischen und gesellschaftliche Diskursen der Zeit, die mit ihrer vielfältigen visuellen Kultur einhergehen.


Auswahl von Literatur:
Peukert, Detlev J. K.: Die Weimarer Republik. Krisenjahre der klassischen Moderne, Frankfurt 1987.
Dietze, Gabriele / Dornhof, Dorothea (Hg.): Metropolenzauber. Sexuelle Moderne und urbaner Wahn, Wien 2014.
Kracauer, Siegfried: Das Ornament der Masse. Essays, Frankfurt (Main) 1963.
Gumbrecht, Hans Ulrich: 1926 – ein Jahr am Rande der Zeit, Frankfurt (Main) 2001.