Dozenten/-innen: M.A. Doris Maja Krüger

Kursbeschreibung:
»Auf diesen Routen trieb ich mich umher und musste in jedem Passanten den Eindruck eines ziellosen Schlenderers erwecken. Und doch war ich, streng genommen, nicht ziellos. Ich glaubte ein Ziel zu haben, aber ich hatte das Ziel zu meinem Unglück vergessen.«

Siegfried Kracauer, dessen Erinnerung an eine Pariser Straße diese Beschreibung des Flanierens entstammt, ist in den 1920er und zu Beginn der 1930er Jahre vom Rausch der Straße ergriffen. Seinem Zeitgenossen und Freund Walter Benjamin wird der Flaneur, der Detektiv der Stadt, zu einer der zentralen Figuren in seiner Interpretation der Moderne. Neben Edgar Allan Poe, Georg Simmel und Charles Baudelaire bezieht Benjamin sich auf Franz Hessel; vor allem auf dessen „Spazieren in Berlin“, in dem er ein „Memorieren im Schlendern“ erkennt. In seiner Rezension schreibt Benjamin: „Die Stadt als mnemotechnischer Behelf des einsam Spazierenden, sie ruft mehr herauf als dessen Kindheit und Jugend, mehr als ihre eigene Geschichte.“

Im Rahmen des Seminars wollen wir uns mit den Denkbildern Benjamins, Hessels und Kracauers beschäftigen. Anhand der literarischen Figur des Flaneurs wollen wir den historischen und ästhetischen Bedingungen literarischer Stadterfahrung auf den Grund gehen, sowie deren Veränderungen mit Blick auf die vom Schweizer Soziologen Lucius Burckhardt in den 1980ern begründeten Wissenschaft vom Spazierengehen, der so genannten Promenadologie, herausarbeiten.

Termin:
Montag, 11:15 - 12:45 Uhr
AM 205