Di. 14-16 Uhr

Berlin ist, verglichen mit Paris oder London, eine junge Hauptstadt. 300 Jahre umfasst der Zeitraum von der Erhebung zur königlichen Residenz bis zur Gegenwart - und darin ist noch das halbe Jahrhundert zwischen 1945 und 1990 eingeschlossen, als das geteilte Berlin durch einen Status der Vorläufigkeit charakterisiert war. Leicht lassen sich einige Hauptphasen der Stadtgeschiche unterscheiden. Die erste reicht von 1701 bis ca. 1850; sie ist sicher die für das Stadtbild prägestärkste. In dieser Zeit entstand Preußens Via triumphalis, die Abfolge der wichtigsten staatsikonographischen Bauten, die sich vom Schloss über das Forum Friedericianum bis zum Brandenburger Tor erstrecken. Die zweite Phase übergreift Kaiserreich und Weimarer Republik; gebaut werden nach 1871 in hochrepräsentativer Manier u.a. Museen, Reichstag und Dom. Nach Gründung der Weimarer Republik wird Berlin zur modernen Metropole mit weltweiter Ausstrahlung, und nicht mehr Repräsentationsbauten, sondern die großen Siedlungen und Infrastrukturprojekte stehen im Zentrum des Interesses. Mit den megalomanen Planungen des NS-Regimes wird in der Mitte der dreißiger Jahre eine erste Welle der Stadtzerstörung eingeleitet. Nach den Kriegszerstörungen bleiben die Neubauplanungen, die sich in Ost und West an ganzverschiedenen städtebaulichen Leitbildern orientieren, vielfach ohne Bezug
zum ja immer noch bestehenden alten Stadtgerüst; erst nach der Mitte der 1970er Jahre setzt hier auf beiden Seiten ein Umdenken ein. Die vorläufig letzte Phase hatte mit der Wiedervereinigung einen glücklichen Beginn; zum ersten Mal entstanden in Berlin politische Großbauten für einen demokratischen Staat. Unter den aktuellen Projekten ist besonders der Neubau des Schlosses inklusive der geplanten Nutzungen zu diskutieren.

Leistungsnachweis: Referat und Hausarbeit, 8/9 ECTS