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Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Januar 1933 vollzog sich die in alle Gesellschaftsbereiche hineinwirkende Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden in Deutschland auch im kulturellen Leben. Für Kulturschaffende jüdischer Herkunft bedeutete die Aufkündigung der im 18. und 19. Jahrhundert im Gefolge der Aufklärung erkämpften Emanzipation den schubweisen Ausschluss aus ihren Berufen; Autor*innen wurde es nach und nach unmöglich, ihre Werke in deutschen Verlagen und ihre Artikel in der allgemeinen Presse zu veröffentlichen. Spätestens nach den Massenausschlüssen aus der Reichsschrifttumskammer im Frühjahr 1935 waren die meisten Schreibenden jüdischer Herkunft auf Veröffentlichungen in einem ausschließlich jüdischen Kulturkreis verwiesen.

Obwohl diese Autor*innen unterschiedlichen politischen, religiösen und künstlerisch-ästhetischen Anschauungen verpflichtet waren, verlangte die nationalsozialistische Kulturpolitik von ihnen, sich auf eine dezidiert ‚jüdische’ Kultur zu beschränken, mit welcher viele der von den Nationalsozialisten als „Juden“ bezeichneten Autor*innen kaum vertraut waren. Vor diesem Hintergrund stellte sich für jüdische Kulturschaffende unter den Bedingungen von Ausgrenzung, Marginalisierung und Verfolgung die Frage nach ihrem Verhältnis zu deutscher beziehungsweise jüdischer Kultur mit neuer Dringlichkeit.


Im Seminar soll untersucht werden, wie Autorinnen jüdischer Herkunft auf ihren erzwungenen Ausschluss aus dem allgemeinen Kulturbetrieb reagierten. Anhand unterschiedlicher Textgattungen – poetischer, narrativer sowie journalistischer Texte – soll erarbeitet werden, welche Möglichkeiten und Strategien der (jüdischen) Selbstbehauptung wie Selbstbestimmung die literarische und kulturelle Arbeit für Autorinnen wie u. a. Hannah Arendt, Gertrud Kolmar oder Mala Laaser bot. Dabei stellt sich auch die Frage, ob und inwieweit in einem durch Zensur deformierten Literaturbetrieb subversives bzw. widerständiges Schreiben überhaupt möglich war und wo dieses ggf. an seine Grenzen stieß. Da sich die Erfahrungen von Diskriminierung, Bedrohung und schließlich Verfolgung unter der NS-Diktatur geschlechtsspezifisch unterscheiden, werden wir den Fokus auf die spezifische Perspektive schreibender Frauen richten.

Fluch und Segen der Sozialwissenschaften beginnen oft mit ihren zentralen Untersuchungsobjekten: Dem Menschen und der Gesellschaft. Jeder von uns hat bestimmte Vorstellungen über unsere Mitmenschen und Umwelt, die oft Ergebnis einer persönlichen Erfahrung, Resultat eines wiederkehrenden Alltags oder tatsächlich sogar Fazit einer längeren wissenschaftlichen Untersuchung sind. Oft treibt uns dabei der Wunsch an, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Phänomenen zu entdecken und uns so unsere soziale Umwelt erklärbar zu machen. Die Art und Weise, wie wir diese Zusammenhänge herstellen und nach welchen Verbindungen wir überhaupt fragen, hat jedoch nicht selten entscheidenden Einfluss auf die Ergebnisse unserer Untersuchungen. Was aber sind die entscheidenden Bedingungen bei der Erarbeitung einer guten Fragestellung? Wie findet man ein möglichst passendes Forschungsdesign? Und welche Auswirkungen haben diese Fragen auf den Zusammenhang zwischen Demokratie, Digitalisierung und Krise?

Dieses Seminar zielt darauf, gemeinsam Antwortmöglichkeiten auf diese Fragen zu diskutieren und einen ersten Überblick über und Einblick in den Werkzeugkasten empirischer Sozialforschung zu ermöglichen. Als Testgelände zur Erprobung verschiedenster Methoden dient uns dabei die anhaltende Diskussion um Digitalisierungs- und Krisenphänomene westlicher Demokratiemodelle.

Der erste Teil des Seminars ist als Einführung in diese Diskussion konzipiert. Daran anschließend stehen die Grundlagen des Forschungsprozesses im Vordergrund, u.a. der Umgang mit Theorie, die Formulierung einer Forschungsfrage und das Erstellen von Hypothesen. Der zweite Teil des Seminars soll einen konkreten Einblick in Methoden der empirischen Sozialforschung ermöglichen, beispielsweise in die Konzeptualisierung einer Inhaltsanalyse, die Durchführung einer Kausalanalyse und in die Auswertung von Netzwerkstrukturen.

Um die Anwendung dieser verschiedenen Methodiken zu erleichtern, wird das Seminar 14-tägig als Doppelsitzung angeboten: Die erste Sitzung dient jeweils der Einführung in eine Methode, die zweite Sitzung dann ihrer konkreten Anwendung. Der Schwerpunkt des Seminars liegt auf der Vermittlung grundlegender Kenntnisse zu Forschungsdesigns und Methoden und eignet sich besonders für Studierende, die noch keine oder nur geringe Methodenkenntnisse haben.